Geballtes Unihockey-Wochenende für die U14/U17 Mannschaft der Visper Lions. Am Samstag, 10.12.2022 spielte das Team des Trainerduos Rüegg/Frutiger im Rahmen des Walliser Cups zwei Vorrundenspiele. Sollte das erste Spiel gegen den UHC St-Maurice Pécaporés 12:8 gewonnen werden, war die Hürde Fully (3:17) doch noch eine Nummer zu gross. Gespannt waren die Coaches auf die Reaktion des Teams am Folgetag. Eines vorweg: Die Coaches sollten am Ende des Spieltages einfach nur stolz sein. Und beeindruckt. Beeindruckt über die Fortschritte diese wunderbar heterogenen Teams, welches langsam, aber sicher zu einer Einheit wird, welches es schafft, die Egos in den Hintergrund und den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen.
Das junge Visper Team trat gegen den Leader Konolfingen und gegen das viertplatzierte Fribourg an. Erneut stand ein Heimspieltag auf dem Programm. Erneut waren die Arbeitsposten schnell besetzt und die freiwilligen Helfer mit Herzblut bei der Sache. So solidarisch die Eltern auf ihren Posten, so solidarisch kämpfte das Team in Zweikämpfen und um Punkte. Erneut schauten sich rund 150 Zuschauer die Partien der Junglöwen an. Ob GL-Mitglieder, NLA-Coaches, Opis, Hausfrauen, Lehrerrinnen oder der einfache Handwerker – alle sollten sie am Ende des Tages Fan dieses Teams werden. Auch wenn manch einer oder eine nach Schlusspfiff keine Stimme mehr finden sollte, vor lauter Anfeuerungsrufen. Gut so.
Lions Konolfingen – UHC Visper Lions 6:2 (3:2)
Das Löwenderby sollte – zumindest auf dem Papier – eine klare Angelegenheit werden. Die Berner Oberländer hielten die Tabellenspitze und damit die Favoritenrolle inne. Das Trainerduo der Lonzastädter rief dann auch zum Motto aus: «Die grosse Lust am Verteidigen». Die Räume sollten in der eigenen Hälfte eng gemach werden und Ballgewinne daraus resultieren. Im Anschluss sollte sofort umgeschaltet und offensive Nadelstiche gesetzt werden.
Die ersten 6 Spielminuten überraschten dann aber. Waren es doch die Visper Lions, welche das Zepter in die Hand nahmen und über mehr Spielanteile verfügten. Nichtsdestotrotz gingen die Berner mit 1:0 in Führung. Die BFO-Krieger liessen sich aber von einem Gegentor alles andere als unterkriegen und reagierten. Noel Rüegg spielte steil auf Moreno Wirthner, der sich diese Chance nicht entgehen liess und zum vielumjubelten Ausgleich traf. Das Spiel war lanciert. Trotzdem übernahm Konolfingen je länger die Partie ging, desto mehr das Spieldiktat und führte durch einen Doppelschlag plötzlich 3:1. Lars Burgener, der Captain, war es, der kurz vor dem Pausentee, wunderbar Gian Zumtaugwald freispielte, der eiskalt verwertete. 3:2. Alles offen.
Nach dem 4:2 fiel das berühmte Momentum dann aber auf die Seite des Leaders, welcher noch auf 5:2 erhöhte. Auch das Time-Out und das Herausnehmen des immer wieder gut parierenden Torhüters Rufus Peter, brachte den gesuchten Anschlusstreffer nicht mehr. Rufus Peter hatte ein paar unglückliche Aktionen in der ersten Halbzeit. Er wusste sich aber zu steigern und parierte in der zweiten Halbzeit einige Male mirakulös. Noch schafft er es nicht, die Konzentration über 40 Spielminuten hochzuhalten – was nicht untypisch ist in seinem Alter. Schafft er auch das noch, wird er noch wichtiger für das Team und wird mitunter über Sieg und Niederlage entscheiden können.
Gut 10 Sekunden vor Spielschluss sorgte ein Empty Netter für das Schlussresultat von 6:2.
Die Visper spielten eine hervorragende Partie und mit ein wenig Wettkampfglück wäre sogar ein Punktgewinn drin gelegen. Die Lust am Verteidigen war spür- und sichtbar. Die Nadelstiche sassen. Einzig das Ziel, nur 3 Gegentreffer zuzulassen, wurde verfehlt. Egal. Schluck aus der Pulle, ein HotDog, um Kraft zu tanken und bereitmachen für den nächsten Auftritt. Es wartete Fribourg.
Floorball Fribourg III : UHC Visper Lions 2:7 (2:3)
Ganz überrascht, dass man in Fribourg französisch spricht, musste der Trainer den Fokus der Spielerbank bereits nach wenigen Spielsekunden wieder auf das Wesentliche legen. Das Team um Kapitänin ad interim, Amy Blumenthal, welche die Vertretung für den krankheitsbedingten Ausfall von Stammkapitän Lars Burgener übernahm, startete sogleich mit einem Gegentor. Noel Rüegg war es aber dann, der nach Vorarbeit von Gian Zumtaugwald, zum Ausgleich traf. Der Reigen war eröffnet. Oder doch nicht?
Ein ärgerlicher Gegentreffer führte erneut zum Rückstand. Das Team wäre aber nicht ein solch wunderbares Team, wenn man Fehler des anderen nicht wieder ausbügeln mag. Fast gestritten haben sie sich, wer den Lapsus des Mitspielers wieder ausmerzen durfte. Trainerherz, was willst du mehr?
Moreno Wirthner spielte als Reaktion auf Gian Zumtaugwald, der zum erneuten Ausgleich traf. Nun aber fertig mit Fehlern. Gesagt getan. Noch vor dem Pausentee sorgte erneut dieses Duo – aber in umgekehrten Rollen – für die erstmalige Führung der BFO-Löwen. Zumtaugwald auf Wirthner – 3:2. Pause.
Das Team trat defensiv sehr kompakt auf und traute sich je länger das Spiel dauerte, desto mehr in die Offensive. Es war quasi ein Abtasten. Wie viel verträgt es in der Offensive, ohne dem Gegner ins Messer zu laufen und ohne dabei defensiv zu patzen? Das Team spielte clever und klug mit dosiertem Risiko nach vorne. Der Gegner wusste keine Antwort auf das Visper Rätsel.
Die Visper spielten mit einer defensiveren Linie um die Verteidiger Raphael Fallert, der – je länger das Spiel dauerte – desto mehr, den immer mehr nach vorne agierenden Miguel Pfammatter, absicherte. Wunderbar sind sie, die Pfammatter’schen Auslösungen und die Ruhe am Ball – auch in Drucksituationen im eigenen Viertel. Fallert ist präsent und seine Spielauslösungen präzise. Und wohl auch die schützende Hand über den jungen Pfammatter – sollte er sich einmal zu weit nach vorne trauen. Die beiden werden auf jeden Fall immer eingespielter. Jael Brantschen als Center sorgte für zusätzliche defensive Stabilität und sorgte für offensive Akzente. Marco Zumofen, der sich zum ersten Mal in der Flügelposition versuchte, schaffte es immer wieder, den Ball zu halten und so für Entlastung zu sorgen. Noch muss er mutiger werden und das Verteidigen bei eigenem Ball kurz vergessen. Ein Prozess, der mit dem heutigen Spieltag in Gang gesetzt wurde.
Matthias Nanzer hatte mit diversen kleinen Blessuren zu kämpfen, biss sich aber fürs Team durch. Ein weiteres Zeichen, dass die Mannschaft lebt und jeder seinen Teil zum Ganzen beitragen möchte. Schade belohnte er sich nicht, als ihn Miguel Pfammatter herrlich und mit perfekter Dosierung freispielte und das verdiente Tor nur um Haaresbreite nicht fallen wollte. Egal. Weitermachen, bis es klappen wird.
Die offensivere Linie um die alternierenden Irina Schmid und Severin Leu sollten enormen Druck aufs Tor der Saanenstädter erzeugen können. Irina Schmid wird immer besser und räumt defensiv auf. Mit klugem Stellungsspiel und Attacken im richtigen Moment sorgte sie für Ballgewinne, welche oftmals am Ursprung von Toren oder gefährlichen Tormöglichkeiten stand. Severin Leu tat es ihr gleich und liess die Gegner verzweifeln. An ihm ist praktisch kein Vorbeikommen. Bravo.
Amy Blumenthal, der das Amt der Kapitänin schier Flügel zu verleihen schien, war omnipräsent. Defensiv dirigierte sie ihre junge Offensivabteilung, welche zu stürmen wusste, als gäbe es kein Morgen. Dabei drohte das Verteidigen zu vergessen. Sie disziplinierte die junge Truppe zur Vorsicht und ermahnte diese, die Defensivpflichten nicht zu vernachlässigen. Sie sorgte für die gesunde Balance zwischen Offensive und Defensive und führte ihre jungen Verteidigungspartner auf äusserst authentische Art und Weise. Top.
Welche Wucht ihre Schüsse haben, sollten die Zuschauer beim Lattenknaller zu sehen und zu hören bekommen. Blumenthals Schuss ist eine Riesenwaffe. Der Torhüter Floorball Fribourgs muss heute noch Ohrensausen spüren.
Das Trio um Center Moreno Wirthner und den beiden Flügeln Noel Rüegg und Gian Zumtaugwald mussten sich in der Defensive keine Sorgen machen. Amy Blumenthal holte Bälle und spielte Laserpässe auf die freistehenden Mitspieler. So war es diese Linie, die dem Spiel in der zweiten Hälfte den offensiven Stempel aufzudrücken vermochte. Gerade Noel Rüegg sollte einen Sahnetag erwischen und gleich vier Mal einnetzen. Gian Zumtaugwald assistierte viermal zu Toren. Klasse.
Das schönste Tor des Tages wurde durch einen gewaltigen Vorstoss Amy Blumenthals lanciert. Ihr Pass auf Gian Zumtaugwald, welcher direkt auf Moreno Wirthner weiterleitete, der nur noch einzuschieben brauchte, sorgte für einige Wows und Bravos in der Halle.
Noel Rüegg sorgte in der zweiten Halbzeit für das 4:2 auf Pass Moreno Wirthners, für das 5:2 auf Zuspiel von Gian Zumtaugwald und für das 7:2 wiederum durch Mithilfe Moreno Wirthners. Das Zwischenzeitliche 6:2 erzielte Moreno Wirthner auf Pass von Gian Zumtaugwald nach dem eben erwähnten Vorstoss Blumenthals.
Fribourg war bedient und die Trainer sassen noch lange nach Spielschluss auf der Bank und versuchten das gerade Geschehene zu realisieren. Hatte man sich doch einiges erhofft. So ist aber der Sport. Nach einer Niederlage stellen sich auch wieder Siege ein. Kopf hoch.
Für die Visper scheint die Reise so richtig begonnen zu haben. Weiter geht es mit dem nächsten Spieltag am 8. Januar 2023 in Konolfingen gegen die Tigers aus Langnau und die Wild Wings aus Schüpfen.
Für die UHC Visper Lions spielten:
Torhüter: Peter Rufus (0 Tore / 0 Assists)
Feldspieler:innen: Brantschen Jael, Schmid Irina, Zumtaugwald Gian (2/4), Burgener Lars (0/1), Pfammatter Miguel, Fallert Raphael, Nanzer Matthias, Rüegg Noel (4/1), Leu Severin, Zumofen Marco, Wirthner Moreno (3/3), Blumenthal Amy